Ubuntu

Das neue Release von Ubuntu bringt mehr Neuerungen, als seine Vorgänger. Auch ohne weitere Einstellungen vorzunehmen, hat man schon ein gut benutzbares System, welches vor allem deutlich fixer arbeitet, als seine Vorgänger. Auch der Startvorgang ist um einiges schneller geworden, was wohl dem nun vollständig umgesetzten Init-Ersatz Upstart geschuldet ist. Zudem fällt auf, dass auch die Installation von Anwendungen beschleunigt wurde.


Installationsvorbereitung

Auch wenn es problemlos möglich ist, von einem Release zum nächsten ein Upgrade durchzuführen, empfiehlt sich spätestens bei Ubuntu 9.10 eine Neuinstallation. Das Dateisystem ext4 bringt mehr Performance und der neue Bootloader GRUB2, steht nur bei einer Neuinstallation zur Verfügung. Hat man sein /home-Verzeichnis auf einer seperaten Partition, kann man die alte Installation problemlos überbügeln.

In jedem Fall wie immer der Hinweis, dass ein Backup des /home-Verzeichnisses auf eine externe Festplatte vor späteren Sorgen schützt. Es empfiehlt sich auch, zu gucken, welche Programme man installiert hatte.

Damit die Installation zügig von Statten geht sollte man von einem USB-Stick oder Cardreader, statt von CD installieren. Wenn man sich das .iso-Image von ubuntu.com geladen hat, hat man zwei Optionen. Wer bereits Ubuntu nutzt kann mit dem USB-Startmedien-Ersteller (unter System -> Sytemverwaltung) den USB-Stick direkt erstellen. Windows-Nutzer können dazu das Tool UNetbootin nutzen. Beim Start des Rechners reicht es meist eine der F-Tasten zu drücken, um ein Boot-Auswahlmenü zu erhalten. Bei vielen Rechnern ist das entweder F8 oder F12.

Installation

Wenn man Ubuntu bereits installiert hatte, sollte man jetzt die /home-Partition mounten und das Benutzerverzeichnis umbenennen, damit es bei der Installation keine Konflikte gibt. Wenn nicht kann man direkt mit der Partitionierung der Festplatte loslegen. Die bietet zwar auch das Installations-Programm an, aber deutlich komfortabler geht es mit gparted (System -> Systemverwaltung). Hier meine Empfehlung für die anzulegenden Partitionen (Art, Größe, Dateisystem, Label):

  • primär, 200MB, ext4, BOOT
  • erweitert, Rest der Platte
    • logisch, 2xRAM, linux-swap, SWAP
    • logisch, 20480, ext4, ROOT (wem 20GB nicht reichen, der kann natürlich auch mehr nehmen)
    • logisch, Rest, ext4, HOME

Nach der Partitionierung kann dann die Installation gestartet werden. Die ist so weit selbsterklärend. Da wir nun schon partitioniert haben muss an der entspr. Stelle manuell gewählt werden. Jetzt weist man einfach den angezeigten Partitionen die zu nutzenden Dateisysteme (ext4 und linux-swap) und Mountpoints zu (/boot, / und /home). Bei einer kompletten Neuinstallation alles müssen keine Häkchen für das Formatieren gesetzt werden (das hat gparted gerade schon getan). Hat man die alte Partitionierung beibehalten formatiert man alles bis auf /home und etwaige NTFS-Partitionen. Letztere kann man übrigens direkt unter /windows oder /media/name mounten lassen.

Installationsnachbereitung

Karmic ist gut und schön, aber einige Dinge nerven. Z.B., dass in den Menus von GTK-Programmen keine Icons mehr angezeigt werden, weil dies angeblich die Nutzer eher verwirre. Oder dass man nicht mehr bei Updates benachrichtigt wird, sondern die Update-Verwaltung bei sicherheitsrelevanten Updates automatisch startet (und dies immer wieder tut).

Fixes

Hier also eine Liste von kleinen Fixes, damit in karmic alles ein wenig runder läuft. Die Befehler können direkt in ein Terminal kopiert und ausgeführt werden:

gconftool-2 -s -t bool /apps/compiz/plugins/move/allscreens/options/constrain_y false
gconftool-2 -s -t bool /apps/metacity/general/compositing_manager true
gconftool-2 -s -t bool /apps/update-notifier/auto_launch false
gconftool-2 -s -t bool /apps/indicator-session/suppress_logout_restart_shutdown true
gconftool-2 -s -t bool /desktop/gnome/interface/menus_have_icons true
gconftool-2 -s -t bool /desktop/gnome/interface/buttons_have_icons true
gconftool-2 -s -t bool /desktop/gnome/remote_access/disable_background true
gconftool-2 -s -t string /apps/nautilus/preferences/default_folder_viewer "list_view"

In Reihenfolge wird damit folgendes behoben:

  • Fenster können wieder über den oberen Bildschirmrand hinausgeschoben werden (nützlich bei Netbooks),
  • das Compositing von Metacity wird aktiviert (nutzt man Programme, die compositing benötigen, wie gnome-do, ist es nett wenn diese auch laufen wenn Compiz deaktiviert ist),
  • das alte Verhalten der Aktualisierungsverwaltung wird wiederhergestellt (man wird über Updates benachrichtigt),
  • der 60s Countdown-Timer beim Ausschalten bzw. Neustart wird deaktiviert,
  • Menus haben wieder Icons,
  • Buttons haben wieder Icons,
  • beim entfernten Zugriff wird das Hintergrundbild standardmäßig nicht angezeigt,
  • in Nautilus werden die Dateien standardmäßig in der Listenansicht und nicht in der Symbolansicht angezeigt

Software

Zum Schluss noch ein paar Pakete, die ich zum Installieren empfehle:

  • ubuntu-restricted-extras - enthält alle möglichen Codecs, die man so brauchen kann und Microsoft-Schriftarten
  • sun-java6-jre und sun-java6-plugin - weil openjdk einfach nicht so gut funktioniert
  • joe - 1a Kommandozeilen-Texteditor
  • nautilus-open-terminal - überall per rechts-Klick ein Terminal an der entspr. Stelle öffnen
  • vlc - der wohl beste Video-Player
  • simple-ccsm - ein Einstellungstool für Compiz. Sorgt gleichzeitig dafür das man im Erscheinungs-Bild Dialog die Einstellung Benutzerdefiniert, so dass Compiz bei Bedarf deaktivieren kann und beim Aktivieren wieder alle seine Einstellungen hat
  • shiki-colors - das wohl ansehnlichste verfügbare Theme für Gnome.
  • gnome-do - eigentlich ein Anwendungsstarta ala Quicksilver. In der neuen Version ist allerdings ein Dock integriert, welches man über die Einstellungen aktivieren kann. In dem Fall sollte man das untere Panel entfernen.
  • Alle mit einem Klick installieren

Da Firefox mittlerweile sehr lahm ist, sollte man sich vielleicht auch überlegen, mal auf einen anderen Browser umzusteigen. Mein Favorit ist Opera. Chromium ist aber auch nicht schlecht. Beide kann man gut erweitern und anpassen und beide sind Firefox meines Erachtens überlegen.

Opera läd man sich am Besten in der mit gcc4 kompilierten Qt4-Version direkt vom FTP-Server, da die Website einem immer ungünstige Pakete anbietet. Für Chromium trägt man in der Systemverwaltung unter Softwareverwaltung folgende Zeile ein: ppa:chromium-daily/ppa und installiert danach das Paket chromium-browser.

Und weiter?

Für alle Fragen und Probleme kann man sich immer an die deutsche Ubuntu-Community wenden. Das Wiki von ubuntuusers.de ist außergewöhnlich gut und im Forum bekommt man kompetente freundliche Hilfe zu allen konkreteren Fragen. Wenn es besonders schnell gehen soll ist auch der deutsche Ubuntu-Channel auf Freenode hilfreich.


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Comments


    #1 redknight on 04/07/10 at 11:20 PM [Reply]

    Sehr schön zusammengestellt. Anmerkung zum Compositing von Metacity: Ist dieses aktiv, startet compiz nicht mehr oder nur noch unzuverlässig.

    #1.1 dakira on 04/09/10 at 06:45 PM [Reply]

    Konnte ich bei mir noch nicht feststellen. Naja. Compiz wird sich mit GNOME3 wohl eh bald erledigt haben.

    Aber wo du gerade schreibst, ich werde den Artikel hier mal fuer lucid ueberarbeiten muessen ;) Ein paar Sachen wuerde ich heute anders machen ;)

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