Ubuntu 10.10 Maverick Meerkat: Installieren und Einrichten
Monday, October 11. 2010

Ubuntu 10.10 ist raus. Daher - als Schnellreferenz für mich selbst und andere - hier wie üblich mein kleiner Post-Install guide.
Eines vorweg: Wer mit 10.04 auskommt und nicht dringend ein neues Feature aus 10.10 benötigt, sollte beim alten bleiben. Gründe für ein Upgrade sind m.E. die neue Schriftart (kann man in Lucid aber auch installieren), das verbesserte Theme, das neue Gnome (bes. wg. des besseren Nautilus) und der neue Kernel. Viele User berichten außerdem, dass sie Hardwareprobleme von lucid seit dem Upgrade nicht mehr haben.
Installationsvorbereitung
In der Regel ist es problemlos möglich, von einem Release zum nächsten ein Upgrade durchzuführen. Sobald ein neues Ubuntu-Release veröffentlicht wird, erscheint in der Aktualisierungsverwaltung ein Hinweis darauf (erscheint kein Hinweis, muss man in den Einstellungen den Wert für Freigabe-Aktualisierung ändern). Wer also bereits Ubuntu installiert hat, dem empfehle ich auf jeden Fall das Upgrade, statt der Neuinstallation. Einige Ausnahmen gibt es allerdings:
- Mit 9.10 wurde ein neues Dateisystem (ext4) und ein neuer Bootloader (grub2) eingeführt. Beides erhält man nur bei einer Neuinstallation W
- Hat man grundlegende Pakete in seinem System, durch Pakete aus Fremdquellen ersetzt, wird ein Upgrade vermutlich fehlschlagen und nicht ohne weiterführende Kenntnisse abschliessbar sein. Dies war in der Vergangenheit bspw. bei Quellen für Compiz/Beryl der Fall.
- Ein Upgrade dauert etw. länger als die Installation von einem USB-Stick.
Hat man sein /home-Verzeichnis auf einer seperaten Partition ist eine Neuinstallation eigentlich kein Problem (man kann praktisch nach 10min weiterarbeiten).
Backup
In jedem Fall wie immer der Hinweis, dass ein Backup des /home-Verzeichnisses auf eine externe Festplatte vor späteren Sorgen schützt. Hat man viel von Hand konfiguriert, kann es auch nicht schaden /etc zu sichern. Es empfiehlt sich ebenfalls, zu gucken, welche Programme man installiert hatte. Eine schnelle Methode ist es mit dpkg eine Liste aller installierter Pakete zu sichern, die man dann später wieder einlesen kann:
## zum speichern dpkg --get-selections > installierte_pakete ## zum späteren installieren sudo apt-get -y update sudo dpkg --set-selections < installierte_pakete sudo apt-get dselect-upgrade
USB-Stick
Damit die Installation zügig von Statten geht sollte man von einem USB-Stick oder Cardreader, statt von CD installieren. Wenn man sich das .iso-Image von ubuntu.com geladen hat, hat man zwei Optionen. Wer bereits Ubuntu nutzt kann mit dem USB-Startmedien-Ersteller (unter System -> Sytemverwaltung) den USB-Stick direkt erstellen. Alternativ kann man auch von einer gebrannten Ubuntu-CD booten und aus dieser heraus einen USB-Stick erstellen. Windows-Nutzer können das Tool UNetbootin nutzen. Beim Start des Rechners reicht es meist eine der F-Tasten zu drücken, um ein Boot-Auswahlmenü zu erhalten. Bei vielen Rechnern ist das F8-F12. Es erscheint ein auberginer Ladebildschirm mit einem kleinen weissen Logo. Um das Auswahlmenu zu bekommen, drückt man einfach Enter. Es empfiehlt sich das Live-System zu booten (Ubuntu ausprobieren), weil man dort mehr Möglichkeiten als bei der reinen Installation hat.
Installation
Wenn man Ubuntu bereits installiert hatte, sollte man jetzt die /home-Partition mounten und das Benutzerverzeichnis umbenennen, damit es bei der Installation keine Konflikte gibt. Wenn nicht kann man direkt mit der Partitionierung der Festplatte loslegen. Die bietet zwar auch das Installations-Programm an, aber deutlich komfortabler geht es mit gparted (System -> Systemverwaltung). Hier meine Empfehlung für die anzulegenden Partitionen (Art, Größe, Dateisystem, Label):
- primär, 200MB, ext4, BOOT
- erweitert, Rest der Platte
- logisch, 1.5xRAM, linux-swap, SWAP
- logisch, 15360, ext4, ROOT (wem 15GB nicht reichen, der kann natürlich auch mehr nehmen, aber i.d.R. reichen ~10GB)
- logisch, Rest, ext4, HOME
Nach der Partitionierung kann die Installation gestartet werden. Die ist so weit selbsterklärend. Da wir nun schon partitioniert haben muss an der entspr. Stelle manuell gewählt werden. Jetzt weist man einfach den angezeigten Partitionen die zu nutzenden Dateisysteme (ext4 und linux-swap) und Mountpoints zu (/boot, / und /home). Bei einer kompletten Neuinstallation müssen keine Häkchen für das Formatieren gesetzt werden (das hat gparted gerade schon getan). Hat man die alte Partitionierung beibehalten formatiert man alles bis auf /home und etwaige NTFS-Partitionen. Letztere kann man übrigens direkt unter /windows oder /media/name mounten lassen. Alles was unter /media gemountet wird, taucht direkt auf dem Desktop auf.
Installationsnachbereitung
Ubuntu ist so schon sehr schick, aber gerade in den letzten Releases wurden einige Dinge eingeführt, die viele Nutzer nerven. Z.B., dass in den Menus von GTK-Programmen keine Icons mehr angezeigt werden, weil dies angeblich die Nutzer eher verwirre. Oder dass man nicht mehr bei Updates benachrichtigt wird, sondern die Update-Verwaltung bei sicherheitsrelevanten Updates automatisch startet (und dies immer wieder tut).
Fixes
Wen diese Kleinigkeiten ebenso stören, der kann die u.a. Fixes anwenden. Die Befehle können direkt in ein Terminal kopiert und ausgeführt werden:
gconftool-2 -s -t bool /apps/update-notifier/auto_launch false gconftool-2 -s -t bool /apps/indicator-session/suppress_logout_restart_shutdown true gconftool-2 -s -t bool /desktop/gnome/interface/menus_have_icons true gconftool-2 -s -t bool /desktop/gnome/interface/buttons_have_icons true gconftool-2 -s -t bool /desktop/gnome/remote_access/disable_background true gconftool-2 -s -t string /apps/nautilus/preferences/default_folder_viewer "list_view" gconftool-2 -s -t string /apps/metacity/general/button_layout ":minimize,maximize,close" gconftool-2 -s -t int /apps/compiz/general/screen0/options/focus_prevention_level 0 sudo -u gdm gconftool-2 -s -t bool /desktop/gnome/sound/event_sounds false sudo -u gdm gconftool-2 -s -t bool /apps/gdm/simple-greeter/disable_user_list true
In Reihenfolge wird damit folgendes behoben:
- das alte Verhalten der Aktualisierungsverwaltung wird wiederhergestellt (man wird über Updates benachrichtigt),
- der 60s Countdown-Timer beim Ausschalten bzw. Neustart wird deaktiviert,
- Menus haben wieder Icons,
- Buttons haben wieder Icons,
- beim entfernten Zugriff wird das Hintergrundbild standardmäßig nicht angezeigt,
- in Nautilus werden die Dateien standardmäßig in der Listenansicht und nicht in der Symbolansicht angezeigt
- die Fensterbuttons werden wieder an die gewohnte Stelle gesetzt
- focus-prevention wird deaktiviert. das löst bei einigen Anwendungen Probleme aus und dient sonst dazu, dass startende Anwendungen nicht autom. den Fokus bekommen
- der Trommelwirbel beim Login wird deaktiviert
- beim Login wird keine Nutzerliste mehr angezeigt
Besitzer von NVidia-Karten werden feststellen, dass der Splash-Screen beim booten sehr lange braucht, um zu erscheinen, und dann auch noch eine sehr schlechte Auflösung hat. Die Lösung beider Probleme wird im Ubuntuusers-Wiki im Artikel Plymouth behandelt.
Software
Zum Schluss noch ein paar Pakete, die ich zum Installieren empfehle:
- ubuntu-restricted-extras - enthält alle möglichen Codecs, die man so brauchen kann und Microsoft-Schriftarten
- sun-java6-jre und sun-java6-plugin - weil openjdk einfach nicht so gut funktioniert
- gimp - GIMP ist eine 1a Fotobearbeitung, welche auch nach Profi-Meinung mit Photoshop mithalten kann (zumindest teilweise). Ergänzend empfiehlt sich die installation von gimp-plugin-registry, welches einen Haufen an zusätzlichen Filtern enthält
- inkscape - vektorbasiertes Zeichenprogramm, welches einen sehr guten vektorisierer enthält (m.E. besser als alle kommerziellen Lösungen)
- scribus - Desktop publishing (DTP). Praktisch, um Booklets oder Flyer zu basteln.
- joe - 1a Kommandozeilen-Texteditor
- nautilus-open-terminal - überall per rechts-Klick ein Terminal an der entspr. Stelle öffnen
- simple-ccsm - ein Einstellungstool für Compiz. Sorgt gleichzeitig dafür das man im Erscheinungs-Bild Dialog die Einstellung Benutzerdefiniert auftaucht, so dass man Compiz bei Bedarf deaktivieren kann und beim Aktivieren wieder alle seine Einstellungen hat
- docky - super Dock für Gnome (neueste Versionen über PPA des Entwicklers, s.u.)
- vlc - guter Videoplayer, mittlerweile empfehle ich aber eher den default player, da er mit vielen Formaten besser klar kommt (gerade HD), die aktuelle Version läuft allerdings wieder sehr gut (s. PPA unten)
- wine1.3 - Eine Schnittstelle, die es erlaubt Windows-Programme unter Linux zu nutzen (aktuelle Entwicklungsversion, zu beziehen über PPA, s.u.)
Weitere Empfehlungen (PPAs)
In einigen Fällen möchte man aktuellere Software, als die in den Ubuntu-Quellen bereitgestellte. Hierfür können Hersteller eigene Paketquellen anbieten oder das von Canonical bereitgestellte PPA-System (Personal Package Archive) nutzen. Hier einige Empehlungen von mir.
Browser
Da Firefox mittlerweile sehr lahm ist, sollte man sich vielleicht überlegen, mal auf einen anderen Browser umzusteigen. Mein Favorit ist Opera. Chromium ist aber auch nicht schlecht (besonders auf Netbooks). Beide kann man gut erweitern und anpassen und beide sind Firefox meines Erachtens überlegen.
Opera läd man sich am Besten direkt von der Download-Seite. Dort wird einem immer die korrekte Version für die genutzte Distribution angeboten. Bei der Installation wird eine Paketquelle von Opera hinzugefügt, so dass man automatisch mit Aktualisierungen versorgt wird. Chromium lässt sich direkt aus den Ubuntu-Quellen installieren. Für die aktuelle Version muss man aber eine neue Paketquelle hinzufügen. Damit es schnell über copy&paste geht, zeige ich hier den Weg über das Terminal. Es geht aber genau so gut über die Systemverwaltung (Software-Paketquellen).
sudo add-apt-repository ppa:chromium-daily/dev && sudo apt-get update sudo apt-get install chromium-browser chromium-browser-inspector chromium-browser-l10n chromium-codecs-ffmpeg-extra
Damit sind dann auch die dt. Sprachunterstützung, die Developer Tools und alle Codecs (bspw. für das neue WebM) installiert. Die Quelle bietet die Entwickler-Version, die auch mal instabil sein kann. Wer nur die offiziellen stabilen Versionen nutzen möchte, muss in der ppa-Zeile /dev durch /stable ersetzen. Weiterhin gibt es /ppa (taegliche Updates, also immer das alleraktuellste) und /beta (von vielen empfohlen, weil weitestgehend stabil und relativ aktuell).
Medien
Damit die Wiedergabe von DVDs vernüftig funktioniert muss man noch die libdvdcss2 installieren. Die ist nicht dabei, weil das in einigen Ländern verboten ist. Um sie in Ubuntu nachzurüsten, gibt man in der Kommandozeile einfach folgenden Befehl ein:
sudo /usr/share/doc/libdvdread4/install-css.sh
Möchte man ähnlich wie mit den Daemon-Tools beliebige CD- und DVD-Images (nicht nur ISO) unter Ubuntu mounten empfiehlt sich CDEmu. (Achtung. Momentan noch nicht für maverick kompiliert)
sudo add-apt-repository ppa:cdemu/ppa && sudo apt-get update sudo apt-get install gcdemu
Nun kann man gcdemu einem Panel hinzufügen (rechts-klick).
Nautilus Elementary und Docky
nautilus-elementary ist eine gepatchte Version des Datei-Managers Nautilus. Überflüssige Buttons wurden entfernt und das Layout wirkt logischer und praktischer. Wenn man erst mal damit gearbeitet hat, möchte man es nicht mehr missen. Zudem wird Gloobus-Preview direkt unterstützt. Damit kann man (wie beim Mac) per Leertaste eine schnelle Vorschau von Dateien anzeigen lassen, ohne diese extra zu öffnen. Außerdem enthält das neue Nautilus Elementary für Ubuntu 10.10 eine Art Coverflow-Ansicht und ein integriertes Terminal, welches man bei Bedarf öffnen kann.
sudo add-apt-repository ppa:am-monkeyd/nautilus-elementary-ppa && sudo apt-get update sudo apt-get upgrade && sudo apt-get install gloobus-preview && nautilus -q
Damit hat man direkt das neue Nautilus zur Verfügung und kann in den Einstellungen unter Tweaks noch weiter feinjustieren (bspw. die breadcrumbs aufhübschen). Mit F8 und F9 kann man die Seiten- resp. Titelleisten ausblenden. Mit F3 macht man ein zweites Panel auf, welches erleichtert Dateien von A nach B zu kopieren (bspw. links local, rechts server).

Gnome Do ist ein Anwendungsstarter ähnlich wie Quicksilver. Docky ist ein schickes leichtgewichtiges Dock. Für die aktuellesten Versionen von wahlweise (!) docky oder gnome-do (letzteres enthält docky) sind folgende PPAs einzurichten:
## für Docky sudo add-apt-repository ppa:docky-core/ppa && apt-get update sudo apt-get install docky ## ODER für Gnome Do sudo add-apt-repository ppa:do-core/ppa && apt-get update sudo apt-get install gnome-do
Wine
Viele finden es nützlich Wine auf dem aktuellsten Stand zu haben, weil man damit immer die aktuellsten Funktionen hat (und mehr Windows-Programme nutzen kann). Manchmal funktionieren aber auch Programme nicht mehr, die vorher funktionierten (Regressionen). Daher wird mit Ubuntu die stabile 1.0 mitgeliefert, wie auch eine Vorschau auf die bereits erschienene neue stabile Version 1.2. Für die aktuellste Entwickler-Version 1.3 (meine Empfehlung) braucht man folgendes PPA.
sudo add-apt-repository ppa:ubuntu-wine/ppa && sudo apt-get update sudo apt-get install wine1.3
Sribes
Scribes ist ein hervorragender Editor, der dadurch besticht, dass er sehr unkompliziert ist und die Bedienelemente sich im Hintergrund halten. Er hat viele Funktionen, um einem das Programmieren zu erleichern und kommt interessanterweise sehr gut ohne Tabs aus.
sudo add-apt-repository ppa:mystilleef/scribes-daily && sudo apt-get update sudo apt-get install scribes
PPAs entfernen (ppa-purge)
Einige externe Quellen ersetzen bereits vorhandene Pakete (wie nautilus-elementary). Von Hand kommt man da nicht besonders leicht auf den alten Stand zurück. Entfernt man einfach die Quelle, bleiben die Pakete auf dem Rechner. Diese müsste man nun einzeln wieder auf den offiziellen Ubuntu-Stand bringen. Erleichterung schafft hier ppa-purge, welches in Maverick endlich direkt installierbar ist. Nautilus Elementary entfernt man dann bspw. so:
sudo ppa-purge ppa:am-monkeyd/nautilus-elementary-ppa
Und weiter?
Für alle Fragen und Probleme kann man sich immer an die deutsche Ubuntu-Community wenden. Das Wiki von ubuntuusers.de ist außergewöhnlich gut und im Forum bekommt man kompetente freundliche Hilfe zu allen konkreteren Fragen. Wenn es besonders schnell gehen soll ist auch der deutsche channel #ubuntu-de auf Freenode hilfreich.
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Comments
Durchwegs recht brauchbare Hinweise und Empfehlungen - ich werde nun auch endlich den USB-Stick nutzen.
Immer gerne. Man kann uebrigens auch mehrere Images von einem USB-Stick starten lassen. Dazu formatiert man den USB-Stick mit einem Format, welches von GRUB unterstuetzt wird (bspw. ext4). Dann kopiert man alle ISOs drauf, die man booten koennen will, und richtet auf dem USB-Stick ein GRUB ein, welches diese entspr. mountet. Detailliertere Anleitungen gibts im Netz.
Sehr cool, vielen Dank. Für Einsteiger genau das richtige!
War jetzt ja nicht direkt an Einsteiger gerichtet, aber immer gerne ;) Mal sehen wie's mit natty wird.