Scribes Texteditor
Wednesday, February 23. 2011
Ich habe einen neuen Lieblings-editor namens Scribes. Der Editor hat eine sehr simple Oberfläche und ist insgesamt so aufgebaut, dass er einem bei der Arbeit nicht im Wege steht (s. Screenshot.). Ähnlich, wie die Veteranen unter den Texteditoren (vi, emacs) setzt auch Scribes auf Spatial Navigation. Also darauf ausschliesslich per Tastatur bedient zu werden. Bei der Konzipierung der Oberfläche hat der Autor auf die sokratische Methode gesetzt (Erkenntnis durch Stellen von Fragen). Wozu braucht ein Texteditor ein Menu? Was bringt mir eine Statusleiste? Warum muss ich mich selbst um's Speichern kümmern? Bringen Tabs wirklich Usability-Vorteile? Die Antworten auf diese Fragen findet man in Scribes. Mich hat das Konzept überzeugt.
Installation
Auf der Downloadseite werden Pakete für diverse Systeme angeboten. Ubuntu-Nutzer können auch das Launchpad-PPA des Entwicklers nutzen. Im Launchpad können auch Bugs gemeldet werden. Ich habe zwei (vernachlässigbare) gefunden, die sofort behoben wurden.
sudo add-apt-repository ppa:mystilleef/scribes-daily && sudo apt-get update sudo apt-get install scribes
Benutzung
Die wichtigste Tastenkombination ist strg+h. Sie zeigt die im aktuellen Kontext verfügbaren Tastenkürzel an. Eine ausdruckbare Version in Form eines Cheat-Sheets gibt es in burlis blog.
In der oberen rechten Ecke gibt es einen Bereich, der das Menu aktiviert, sobald man mit der Maus darüber fährt (hot corner). Das ist am Anfang ganz hilfreich, aber schon nach kurzer Zeit wird man ausschliesslich die Tastenkombinationen nutzen.
Zum Öffnen von Dateien sind die beiden Kombinationen strg+alt+r (open recent) und strg+alt+o (quick open) sehr hilfreich. Da 99% der Dateien, die man öffnet, meist vorher schon bearbeitet wurden, kommt man meist mit open recent zum Ziel. Durch einfaches Lostippen kann man in der Liste der Dateien suchen. Quick-open funktioniert ähnlich. Wenn man lostippt, dann wird rekursiv - ausgehend vom Verzeichnis der aktuell geöffneten Datei - in allen Ordnern nach dem eingegebenen Text gesucht.
Keine Tabs
Dass es keine Tabs gibt, mag für viele sehr befremdlich sein. Wenn man sich aber vorstellt, man hat gerade 10-20 Dateien eines Projektes geöffnet, dann hat man zwar alles schön in einem Fenster zusammengefasst, aber wirklich übersichtlich ist das nicht. Bei Scribes erhält man mit F9 eine Liste aller geöffneten Dokumente, welche selbstverständlich durch einfach Lostippen durchsuchbar ist. Mit strg+bild_hoch/bild_runter kann man (wie in fast allen Programmen mit tabs) zwischen den Dokumenten wechseln. Wichtiger für mich ist aber, dass ich meine Textdateien (bspw. nach Kontext) auf mehreren Desktops verteilen kann und trotzdem mit F9 einen Überblick über alle Dokumente habe.
Sparkup und Zencoding
Zen Coding ist ein Plugin, welches für viele Editoren verfügbar ist. Man kann damit schneller HTML und CSS schreiben, bzw. generieren lassen. Sparkup ist eine Erweiterung von Zen Coding und ist insgesamt etwas mächtiger. Ich empfehle daher Sparkup statt Zen Coding zu nutzen. Beide sind bereits in Scribes integriert. Um Sparkup zu aktivieren drückt man strg+e. Gibt man nun bspw. a ein und drückt ENTER, dann wird daraus autom.
Das erleichert einem sehr schnell viel Tipparbeit. Der Cursor springt dabei automatisch an die Stellen, an denen Text einzufügen ist. Mit TAB springt man an die nächste Stelle. Ein anderes Beispiel ist: ul.liste > li.listenelement_$*3 woraus dies wird:
<ul class="liste">
<li class="listenelement_1"></li>
<li class="listenelement_2"></li>
<li class="listenelement_3"></li>
</ul>
Ein Sonderfall ist das Kürzel html. Dieses erstellt automatisch ein Grundgerüst für eine HTML-Seite. html:xs erzeugt das Gerüst für XHTML 1.0 Strict, html:xt für XHTML 1.0 Transitional und html:5 für HTML5. Der erste Screenshot zeigt ein etwas komplexeres Beispiel. Im Video sieht man noch ein wenig mehr.
Demo
Hier ein kleines Video. Etwas langatmig, sorry. Aber es zeigt glaube ich ganz gut, was Scribes so kann.
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Comments
Netter Artikel. Ich befasse mich auch gerade mit Scribes und diskutiere etwas mit dem Entwickler. Ein paar Sachen sind etwas seltsam umgesetzt.
Ich experimentiere gerade etwas damit, die Konfiguration statt in Files in eine CouchDB zu speichern. Damit kann man dann alle Einstellungen auf anderen Rechner synchronisieren. Habe ich auch schon ausprobiert und mit den paar wenigen Einstellungen funktioniert das auch schon. Ist schon praktisch, wenn man auf einen anderen Rechner wechselt und da zum Beispiel die gleichen Bookmarks hat.
Danke! Die Idee mit dem Speichern der Einstellungen ist echt nett. Ich arbeite naemlich auch mit diversen Rechnern an meinen Dokumenten. Besteht da gerade schon eine Art Zusammenarbeit mit dem Entwickler?