Ubuntu 11.10 Oneiric Ocelot installieren und einrichten
Thursday, December 8. 2011
Bisher hatte ich zu jeder der letzten Ubuntu-Versionen einen Artikel geschrieben, bzw. ältere aktualisiert. Bei Ubuntu 11.04 und Unity fiel mir ehrlich gesagt aber erst mal nicht ein, was ich überhaupt dazu sagen soll. Ich habe bis heute durchgehend Unity genutzt (eher getestet) und bin nun an dem Punkt, dass ich zufrieden bin. Daher möchte ich nun meine Erfahrungen mit euch teilen. Unveränderte Vorgehensweisen habe ich wieder aus den alten Artikeln übernommen.
Installationsvorbereitung
In der Regel ist es problemlos möglich, von einem Release zum nächsten ein Upgrade durchzuführen. Sobald ein neues Ubuntu-Release veröffentlicht wird, erscheint in der Aktualisierungsverwaltung ein Hinweis darauf (erscheint kein Hinweis, muss man in den Einstellungen den Wert für Freigabe-Aktualisierung ändern). Normalerweise empfehle ich immer Upgrades. Gerade wegen den einschneidenden Veränderungen der letzten Ubuntu-Versionen muss ich aber leider sagen, dass eine Neuinstallation momentan wohl die bessere Wahl ist. Zumal man so auch deutlich schneller wieder ein laufendes System hat.
Hat man sein /home-Verzeichnis auf einer seperaten Partition ist eine Neuinstallation eigentlich kein Problem (man kann praktisch nach 10min weiterarbeiten).
Backup
In jedem Fall wie immer der Hinweis, dass ein Backup des /home-Verzeichnisses auf eine externe Festplatte vor späteren Sorgen schützt. Hat man viel von Hand konfiguriert, kann es auch nicht schaden /etc zu sichern. Folgendermaßen legt man das Backup von Handan, ab 11.10 ist mit Deja-Dup eine gute grafische Backup-Lösung vorinstalliert.
sudo rsync -av /etc $HOME /media/external_drive/backup/
Es empfiehlt sich ebenfalls, zu gucken, welche Programme man installiert hatte. Eine schnelle Methode ist es mit dpkg eine Liste aller installierter Pakete zu sichern, die man dann später wieder einlesen kann:
## zum speichern dpkg --get-selections > /media/external_drive/backup/installierte_pakete ## zum späteren installieren sudo apt-get -y update sudo dpkg --set-selections < /media/external_drive/backup/installierte_pakete sudo apt-get dselect-upgrade
USB-Stick
Damit die Installation zügig von Statten geht sollte man von einem USB-Stick oder Cardreader, statt von CD installieren. Wenn man sich das .iso-Image von ubuntu.com geladen hat, hat man drei Optionen. Wer bereits Ubuntu nutzt kann mit dem USB-Startmedien-Ersteller (unter System -> Sytemverwaltung) den USB-Stick direkt erstellen. Alternativ kann man auch von einer gebrannten Ubuntu-CD booten und aus dieser heraus einen USB-Stick erstellen. Seit Ubuntu 11.10 sind die ISO-Images direkt bootfähig. D.h. man kann sie auch mit dd direkt auf den USB-Stick schreiben (z.B. dd if=ubuntu.iso of=/dev/sdb bs=1M). Windows-Nutzer können das Tool UNetbootin oder LiveUSB Install nutzen.
Beim Start des Rechners reicht es meist eine der F-Tasten zu drücken, um ein Boot-Auswahlmenü zu erhalten. Bei vielen Rechnern ist das F8-F12. Es erscheint ein auberginer Ladebildschirm mit einem kleinen weissen Logo. Um das Auswahlmenu zu bekommen, drückt man einfach Enter. Es empfiehlt sich das Live-System zu booten (Ubuntu ausprobieren), weil man dort mehr Möglichkeiten als bei der reinen Installation hat.
Installation
Wenn man Ubuntu bereits installiert hatte, sollte man jetzt die /home-Partition mounten und das Benutzerverzeichnis umbenennen, damit es bei der Installation keine Konflikte gibt. Wenn nicht, kann man direkt mit der Partitionierung der Festplatte loslegen. Die bietet zwar auch das Installations-Programm an, aber deutlich komfortabler geht es mit gparted (Super->gparted). Hier meine Empfehlung für die anzulegenden Partitionen (Art, Größe, Dateisystem, Label):
- primär, 200MB, ext4, BOOT
- erweitert, Rest der Platte
- logisch, 1.5xRAM, linux-swap, SWAP
- logisch, 15360, ext4, ROOT (wem 15GB nicht reichen, der kann natürlich auch mehr nehmen, aber i.d.R. reichen ~10GB)
- logisch, Rest, ext4, HOME
Nach der Partitionierung kann die Installation gestartet werden. Die ist so weit selbsterklärend. Da wir nun schon partitioniert haben muss an der entspr. Stelle manuell gewählt werden. Jetzt weist man einfach den angezeigten Partitionen die zu nutzenden Dateisysteme (ext4 und linux-swap) und Mountpoints zu (/boot, / und /home). Bei einer kompletten Neuinstallation müssen keine Häkchen für das Formatieren gesetzt werden (das hat gparted gerade schon getan). Hat man die alte Partitionierung beibehalten formatiert man /boot und / und sollte darauf auchen, dass /home und etwaige NTFS-Partitionen nicht formatiert werden. Letztere kann man übrigens direkt unter /windows oder /media/name mounten lassen. Alles was unter /media gemountet wird, taucht direkt in der Unity-Leiste auf.
Installationsnachbereitung
Jetzt der interessante Teil. Ich sagte ja eingangs, dass ich mit Unity mittlerweile zufrieden bin. Ich nutze es auch relativ unverändert. Allerdings tauchen (zumindest bei mir) einige Probleme auf, deren Behebung ich im folgenden Zeigen will.
Fixes
Unity-Performance
Wem Unity zu langsam wirkt, dem empfehle ich das gepatchte Unity aus Glasens Blog. Dort wird ausserdem erklärt, welche Einstellungen man machen sollte, um Tearing zu verhindern (horizontale Verschiebungen im Bild bei LCDs in schnellen Szenen bei Spielen oder Filmen). Für letzteres muss CCSM installiert sein (s.u.):
sudo add-apt-repository ppa:glasen/unity-performance-fix sudo apt-get update && sudo apt-get upgrade
Um nun Tearing zu verhindern stellt man im CompizConfig-Settings-Manager (CCSM) einige Werte ein.
- OpenGL->Mit VBlanc synchronisieren->an (bei ATi-Karten aus!)
- Composite->Aukualisierungsrate erkennen->aus
- Composite->Aktualisierungsrate->180 (immer ein Vielfaches der vertikalen Bildwiederholfrequenz nehmen, bei den meisten LCDs ist das 60Hz)
UbuntuOne
Ich freue mich ja sehr, dass Canonical eine Konkurrenz zu Dropbox (referral link) anbietet. Allerdings macht es bei mir nicht nur Nautilus langsam, sondern verursachte am Anfang sogar Abstürze:
sudo apt-get purge ubuntuone*
Zwischenablage
Der Bug #873545 sorgt leider dafür, dass ein Gnome Hintergrund-Dienst abstürzt, wenn bestimmte Programme beendet werden und in diesen Programmen Copy&Paste genutzt wurde. Daher deaktivieren wir den integrierten Clipboard-Manager von Gnome. Man braucht ihn ohnehin nicht. Wer unbedingt eine Zwischenablagen-Verwaltung will sollte Diodon nehmen (s.u.).
gsettings set org.gnome.settings-daemon.plugins.clipboard active false
Software
Nun noch ein paar Empfehlungen zur Installation:
- synaptic - Seit 11.10 wird der normale Paketmanager nicht mehr mitgeliefert, also nachinstallieren. Wer einzelne .deb-Dateien nicht über das Software-Center installieren will, der braucht auch noch das Paket gdebi.
- ubuntu-restricted-extras - enthält alle möglichen Codecs, die man so brauchen kann und Microsoft-Schriftarten
- gimp - GIMP ist eine 1a Fotobearbeitung, welche auch nach Profi-Meinung mit Photoshop mithalten kann (zumindest teilweise). Ergänzend empfiehlt sich die installation von gimp-plugin-registry, welches einen Haufen an zusätzlichen Filtern enthält. Das Paket gimp-gmic erweitert GIMP, um die Manipulationstools, der französischen Grafikspezialisten vom GREYC. Deren Filter entspr. dem aktuellen Forschungsstand in Sachen Bildverarbeitung/-manipulation und machen GIMP z.T. mächtiger als Photoshop.
- inkscape - vektorbasiertes Zeichenprogramm, welches einen sehr guten Vektorisierer enthält (m.E. besser als alle kommerziellen Lösungen)
- scribus - Desktop publishing (DTP). Praktisch, um Booklets oder Flyer zu basteln.
- joe - 1a Kommandozeilen-Texteditor
- nautilus-open-terminal - überall per rechts-Klick ein Terminal an der entspr. Stelle öffnen
- compizconfig-settings-manager - ein Einstellungstool für Compiz.
- vlc - guter Videoplayer, mittlerweile empfehle ich aber eher den default player (totem), da er mit vielen Formaten besser klar kommt (gerade HD)
Weitere Empfehlungen (PPAs)
In einigen Fällen möchte man aktuellere Software, als die in den Ubuntu-Quellen bereitgestellte. Hierfür können Hersteller eigene Paketquellen anbieten oder das von Canonical bereitgestellte PPA-System (Personal Package Archive) nutzen. Hier einige Empehlungen von mir.
Browser
Firefox ist zwar noch Standard, aber viele nutzen gern andere Browser. Mein Favorit ist Opera (darum mag ich Opera). Chromium ist aber auch nicht schlecht (besonders auf Netbooks). Beide kann man gut erweitern und anpassen und beide sind Firefox meines Erachtens überlegen.
Opera läd man sich am Besten direkt von der Download-Seite. Dort wird einem immer die korrekte Version für die genutzte Distribution angeboten. Bei der Installation wird eine Paketquelle von Opera hinzugefügt, so dass man automatisch mit Aktualisierungen versorgt wird. Chromium lässt sich direkt aus den Ubuntu-Quellen installieren. Für die aktuelle Version muss man aber eine neue Paketquelle hinzufügen. Damit es schnell über copy&paste geht, zeige ich hier den Weg über das Terminal. Es geht aber genau so gut über die Systemverwaltung (Software-Paketquellen).
sudo add-apt-repository ppa:chromium-daily/dev && sudo apt-get update sudo apt-get install chromium-browser chromium-codecs-ffmpeg-extra
Damit sind dann auch alle Codecs (bspw. für das neue WebM) installiert. Die Quelle bietet die Entwickler-Version, die auch mal instabil sein kann. Wer nur die offiziellen stabilen Versionen nutzen möchte, muss in der ppa-Zeile /dev durch /stable ersetzen. Weiterhin gibt es /ppa (taegliche Updates, also immer das alleraktuellste) und /beta (von vielen empfohlen, weil weitestgehend stabil und relativ aktuell). Von Firefox erhält man übrigens immer automatisch die aktuellste Version.
Medien
Damit die Wiedergabe von DVDs vernüftig funktioniert muss man noch die libdvdcss2 installieren. Die ist nicht dabei, weil das in einigen Ländern verboten ist. Um sie in Ubuntu nachzurüsten, gibt man in der Kommandozeile einfach folgenden Befehl ein:
sudo /usr/share/doc/libdvdread4/install-css.sh
Möchte man ähnlich wie mit den Daemon-Tools beliebige CD- und DVD-Images (nicht nur ISO) unter Ubuntu mounten empfiehlt sich CDEmu.
sudo add-apt-repository ppa:cdemu/ppa && sudo apt-get update sudo apt-get install gcdemu
gcdemu kann man nun über den Dash starten und beliebige Images mounten.
Wine
Viele finden es nützlich Wine auf dem aktuellsten Stand zu haben, weil man damit immer die aktuellsten Funktionen hat (und mehr Windows-Programme nutzen kann). Manchmal funktionieren aber auch Programme nicht mehr, die vorher funktionierten (Regressionen). Daher werden mit Ubuntu die stabilen Versionen 1.0 und 1.2 geliefert. Für die aktuellste Entwickler-Version 1.3 (meine Empfehlung) braucht man folgendes PPA.
sudo add-apt-repository ppa:ubuntu-wine/ppa && sudo apt-get update sudo apt-get install wine1.3
Scribes
Scribes ist ein hervorragender Editor, der dadurch besticht, dass er sehr unkompliziert ist und die Bedienelemente sich im Hintergrund halten. Er hat viele Funktionen, um einem das Programmieren zu erleichern und kommt interessanterweise sehr gut ohne Tabs aus. Scribes habe ich einen eigenen Artikel gewidmet.
sudo add-apt-repository ppa:mystilleef/scribes-daily && sudo apt-get update sudo apt-get install scribes
Diodon (Zwischenablage managen)
sudo add-apt-repository ppa:diodon-team/stable sudo apt-get update && sudo apt-get install diodon
Unity Scopes & Lenses
Durch Drücken der Super-Taste (aka Windows) öffnet sich der s.g. Dash. Dort kann man nach Dateien, Programmen und anderen Dingen suchen. Es gibt mittlerweile einige weitere Ansichten, um bspw. Tomboy-Notizen zu durchsuchen oder direkt Torrents von ThePirateBay zu suchen. Letzteres installiert man so:
sudo add-apt-repository ppa:scopes-packagers/ppa sudo apt-get update && sudo apt-get install unity-scope-piratebay
SUN Java
Ich persönlich brauche noch das echte Java. Da nach der Übernahme durch Oracle leider die Lizenz geändert wurde, lässt sich das Paket sun-java6-jre leider nicht mehr direkt installieren.
sudo add-apt-repository ppa:ferramroberto/java sudo apt-get update && sudo apt-get install sun-java6-jre
PPAs entfernen (ppa-purge)
Einige externe Quellen ersetzen bereits vorhandene Pakete (wie der Unity-Fix). Von Hand kommt man da nicht besonders leicht auf den alten Stand zurück. Entfernt man einfach die Quelle, bleiben die Pakete auf dem Rechner. Diese müsste man nun einzeln wieder auf den offiziellen Ubuntu-Stand bringen. Erleichterung schafft hier ppa-purge. Den Unity-Fix entfernt man dann bspw. so:
sudo ppa-purge ppa:glasen/unity-performance-fix
Und weiter?
Ich würde erst mal ein wenig Unity erkunden. Gerade die Tastenkombinationen erleichtern einem wirklich die Arbeit. Ausserdem lohnt es sich, direkt die Backup-Funktion einzurichten.
Für alle Fragen und Probleme kann man sich immer an die deutsche Ubuntu-Community wenden. Das Wiki von ubuntuusers.de ist außergewöhnlich gut und im Forum bekommt man kompetente freundliche Hilfe zu allen konkreteren Fragen. Wenn es besonders schnell gehen soll ist auch der deutsche IRC-Channel #ubuntu-de auf Freenode hilfreich.
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Comments
sehr cool. den editor Scribes kannte ich noch gar nicht. nachdem edit in aktueller version die suchfunktion für mich unbrauchbar gemacht hat, wird scribes mein neuer standart texteditor.
Der Entwickler (@mystilleef) ist auch total cool. Auf bugs bekommt man sofort feedback (und patches) und fuer Verbesserungsvorschlaege ist er auch offen.