Die Folgen der Ubuntu-Nachricht

Ich will nicht größ wiederholen, was andere bereits gesagt haben. Mark Shuttleworth hat bekannt gegeben, dass die Konvergenz-Strategie von Ubuntu aufgegeben wird. Die Vision von einem Betriebssystem für Telefon, Tablet und Desktop ist gestrichen.

Entlassungen

Eine erste direkte Folge sind Entlassungen. Ein zweite ist Frustration beim Rest der Mitarbeiter. Viele von ihnen haben fest an die Zukunft von Unity geglaubt und sind nun bitter enttäuscht, dass das Projekt so kurz vor der Marktreife eingestampft wird. Ich habe mit einigen Mitarbeitern gesprochen und bekam den Eindruck, dass sie sich nicht mal sicher sind, ob sie überhaupt noch weiter für Canonical arbeiten wollen. Ihr Fokus war immer der Desktop, der von Cloud und IoT finanziert wurde. Für eine Cloud/Server-Firma wollen sie nicht arbeiten.

Ubuntu wird Gnome Shell unverändert ausliefern

In einem Google+-Thread ist vermutlich die zentrale Aussage gefallen, welche die Community und besagte Canonical-Mitarbeiter so tief ins Mark traf:

sabdfl Kommentare zu vanilla Gnome

Die höchsten Kosten im Ubuntu-Desktop-Bereich sind dort angefallen, wo Patches gepflegt werden mussten, um Gnome kompatibel mit Unity zu halten. Also ohne, dass für Nutzer ein spürbarer Mehrwert entstand. Man muss Shuttleworths Aussage also auch so werten, dass es keine solchen Patches mehr geben wird. Das ist ganz sicher auch dem Frust geschuldet, wie bisherige Mitarbeit aufgenommen wurde, wie man diesem Kommentar ganz gut entnehmen kann.

Kommentar zur Gnome Kollaboration

Nautilus

Ich persönlich freue mich auf Vanilla Gnome, nicht jedoch auf das untgepatchte Nautilus. Die Gnome-Entwickler haben dort das Navigationsfeature „find-as-you-type“, durch eine Suche ersetzt. Vorher konnte man durch das tippen von bspw. „ca“ zur ersten Datei navigieren, die mit „ca“ beginnt. Nun wird im aktuellen Ordner und seinen Unterordnern nach allen Dateien gesucht, die irgendwo „ca“ enthalten. Gerade im wissenschaftlichen Bereich, wo man häufiger Ordner mit ein paar tausend Dateien hat, fällt Nautilus damit raus. Menschen die dieses neue Verhalten kritisierten wurden auf der Gnome-Mailingliste äußerst feindlich behandelt.

Umso erfreulicher ist es, dass gerade ein Nautilus-Maintainer das Canonical Desktop-Team einläd direkt im Upstream mitzuwirken.

Nautilus Maintainer

Zukunft

Die Arbeit an Unity8 war eine sehr geschlossene Sache. Wer kein kompatibles Gerät hatte, konnte auch nichts wirklich testen in all den Jahren. Unity7 befand sich währendessen in einem absoluten Stillstand und so hat es sich insgesamt für den Ubuntu Desktop angefühlt: Stillstand. Was auch immer die Entscheidung für Ubuntu bringt, eines ist sicher. Es kommt wieder Bewegung in die ganze Sache. Ich hoffe, dass Mark Shuttleworth und seine Mitstreiter dabei bleiben. Ich hoffe auch, dass sie Unterstützung erfahren, denn der Hass der Ubuntu teilweise entgegenschlug ist mir absolut rätselhaft. Dazu zum Schluss noch dieser Kommentar von Shuttleworth:

Mir hate-fest

Jetzt, wo die Gnome-Konkurrenz Unity tot ist, wird Gnome vielleicht eine Mitarbeit von Canonical erlauben. Es wird weiterhin ein bezahltes Desktop-Team bei Canonical geben. Von daher glaube und hoffe ich nicht, dass wir ein 100% Vanilla Gnome bekommen. Die Gräben müssen von beiden Seiten zugeschüttet werden, Gnome3 muss einfach besser werden und den Ubuntu-Entwicklern traue ich durchaus zu dabei mitzuhelfen, so dass Ubuntu 18.04 nicht nur ein weiterer Gnome-Shell-Desktop in lila-grau wird wie Onli befürchtet.

Eigene DNS-Server mit der Fritz!Box 6490 Cable

Leider hat sich Vodafone dazu entschieden Nutzern der Fritz!Box nicht zu erlauben eigene DNS-Server zu nutzen. Da die DNS-Server von Providern auch gern mal offline sind führt das dazu, dass man dann „ohne Internet“ ist.

In neueren Versionen von FRITZ!OS ist es leider auch nicht mehr möglich, die entsprechende Konfigurations-Seite per Direktlink zu öffnen. Es gibt allerdings doch noch eine Möglichkeit: FBEditor.

Dieses Tool erlaubt es Sicherungen der Fritz!Box-Konfiguration direkt zu bearbeiten. Man muss beim Exportieren der Konfiguration ein Kennwort angeben. Dieses muss man auch im FBEditor hinterlegen. Nun kann man die Datei dort öffnen und beliebig bearbeiten. Für die DNS-Einstellungen könnte der entsprechende Abschnitt z.B. so aussehen (mit Google Public DNS):

servercfg {
        hostname = "(none)";
        dhcpc_hostname = "fritz.box";
        dns1 = 192.168.180.1;
        dns2 = 192.168.180.2;
        use_user_dns_for_ipv4 = yes;
        user_dns1_for_ipv4 = 8.8.8.8;
        user_dns2_for_ipv4 = 8.8.4.4;
        use_user_dns_for_ipv6 = yes;
        user_dns1_for_ipv6 = 2001:4860:4860::8888;
        user_dns2_for_ipv6 = 2001:4860:4860::8844;
}

Die Änderungen speichert man und wählt in der Fritz!Box den Punkt Konfiguration wiederherstellen.

Der FBEditor scheint nicht aktiv weiterentwickelt zu werden. Die Version 0.7.2.1 lief bei mir mit FRITZ!OS 06.50 allerdings problemlos.